Dez 20

Ein ökologisches Haus bauen.

Gastbeitrag von Andrea Hörndler & Hannes Wizany (@ourplacetobe)

Eine kurze Geschichte des Öko-Bauens.

Es freut mich sehr, dass ich hier einen kleinen Gastbeitrag schreiben durfte. Nach einer kurzen Vorstellrunde komme ich dann auch gleich zum Thema: Wie baut man sich ein ökologisches Haus und was heißt es eigentlich nachhaltig oder ökologisch zu bauen?

Das sind wir und unser place to be

Das sind wir – Andrea und Hannes. Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir mit dem Hausbau begonnen und vor ungefähr drei Monaten sind wir eingezogen. Wir haben uns entschlossen ein ökologisches Haus zu bauen, zumindest soweit das für uns im Bereich des Möglichen war und manchmal setzt einem auch die Industrie gewisse Grenzen. Im Innenausbau konnten wir sehr viel selbst bewerkstelligen, obwohl wir zwei kreative Bürostuhl Menschen sind. Um die Vorstellungsrunde zu beenden: Ich bin 29 und der Hannes ist 28 Jahre, wir leiten gemeinsam ein kleines Kreativstudio in Linz, unsere beiden Hunde Hucky und Kurt begleiten uns in der Regel den ganzen Tag und überall hin. Seit einem Jahr versuchen wir das Thema des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen und des ökologischen Hausbaus in die Welt hinauszutragen.

Hannes & Andrea
Kurt & Hucky

Warum die Entscheidung eines Blogs zum Thema Öko-Hausbau

Bevor wir mit dem Bauen begonnen haben, haben wir uns erstmals sehr lange mit der Thematik auseinandergesetzt. Es war oft sehr schwierig und langwierig Infos zu bekommen, eingehende Recherche und das Lesen vieler Büchern gehörte dabei dazu. Weil wir selbst über diesen holprigen Weg zu den Infos gekommen sind, haben wir uns entschlossen über alle unsere Bauschritte zu berichten und Materialien und Gedanken zu sammeln und in einen Blog zu verpacken, um vielen die Möglichkeit für gesammeltes Wissen zu bieten. Die Kosten sind natürlich immer ein großes Thema und ein ökologisches Haus ausschließlich von einer Firma bauen zu lassen wäre bei uns einfach nicht möglich gewesen. Daher haben wir in vielen Bereichen selbst mit angepackt und konnten uns so unser Haus finanzieren, ohne dabei auf natürliche Materialien verzichten zu müssen.

Wie groß soll der persönliche Wohnraum werden?

Der erste Bereich, mit dem wir uns konfrontiert sahen, war die Größe des Wohnraumes. Wie viel braucht man an Platz, um sich wohlzufühlen und wo kann man Wohnraum minimieren, waren Fragen die wir uns ganz zu Beginn stellten. Schnell war klar, dass wir keine 150-200m2 brauchen, im Gegenteil, weniger Platz spart Geld und ermöglicht es außerdem auf hochwertige Rohstoffe zurückzugreifen. Das Resultat sind bei uns 100m2 Wohnraum und 20m2 hat unsere Workbox im unteren Bereich des Hauses, diese wird zukünftig unser Büro werden, da wir beide selbstständig sind, aber das dauert noch ein wenig, bis diese fertig eingerichtet ist.

Wir haben ein Badezimmer und eine Toilette im Nebenraum, ein zweites Bad wäre kein Thema gewesen, denn man muss immer bedenken das man alles sauber halten muss und ich finde persönlich, das ein Haus ohnehin ein absoluter Luxus ist, und falls wir einmal Kinder haben, dann teilt man sich das Badezimmer doch einfach. Weiter geht es mit einem Extra Zimmer, das aktuell mein Leseraum ist, ein Schlafzimmer und Schrankraum und ein groß angelegter Wohn- und Essbereich wo man ohnehin die meiste Zeit verbringt. Falls ihr Lust auf mehr Details habt, könnt ihr hier (https://www.place-to-be.at/project/bauplaene) gerne durch unsere Pläne stöbern.

Unseren Wohnraum hat uns ein befreundeter Architekt geplant, wir wollten wenig Verkehrsflächen, wie Gänge oder Bereiche, die nicht genutzt werden, das haben wir geschafft, kein Fleckchen ist ungenutzt.

Bildquelle: www.place-to-be.at

Holz als Baustoff, der in unserem Öko-Häuschen überall zu finden ist

Ich bezeichne unser Haus gerne als Baumhaus, da dieses auf Stahlstützen steht. Stahl im Bauwesen wird überwiegend aus recyceltem Stahl hergestellt. Also wer weiß, wie viele Waschmaschinen sich wohl unter uns befinden. Auf dieser Konstruktion steht ein Holzriegelbau, das Holz dazu kommt aus heimischen Wäldern. In Österreich zum Beispiel wächst mehr Holz nach, als abgeholzt wird und Bäume sind immerhin einer DER CO2 Speicher schlechthin, eine nachhaltige Forstwirtschaft ist demnach besonders wichtig für den Schutz unseres Klimas. Gedämmt ist unser Haus mit Stroh und zwar mit Einblasdämmung aus Stroh. Aber dazu später noch mehr. Unsere Fassade und Terrasse sind mit heimischer Lärche versehen. Ein Tipp meinerseits, hinterfragt wo das Holz für euer Haus herkommt, Holz muss normalerweise nicht über lange Transportwege zu eurem Grundstück gebracht werden, wenn regional ausreichend vorhanden ist. Auch das Thema Tropenholz ist für uns ein No-go, die für die Umwelt so wichtigen Regenwälder werden abgeholzt nur um uns eine schöne Terrasse zu bescheren? Lieber nicht.

Fassade und Terrasse wurden bei uns mit unbehandeltem Holz gefertigt, das heißt, das Material wird sich anhand von Umwelteinflüssen wie Regen und Sonne verändern. Ihr kennt das sicher, wenn Holz vergraut, so wird das bei uns irgendwann auch aussehen. Daher sind die Holzbalken an der Fassade vertikal angelegt, um ein gleichmäßiges Ausgrauen zu unterstützen. Persönlich finden wir den Effekt total natürlich und auch schön, Holz darf sich einfach mit der Zeit verändern, die Behandlung des Holzes wäre kein Thema gewesen für uns, da es keine Notwendigkeit dafür gibt. Das Einzige was man bedenken sollte, wenn die Terrasse nicht wie bei uns überdacht ist, es können sich mit der Zeit, durch die Witterung Schiefer bilden, an dieser Stelle empfiehlt es sich sicher nach alternativen Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Im Wohnraum selbst haben wir uns für Naturholzboden entschieden und unsere Decke ist durchgehend mit Fichtenholz bedeckt und nicht verputzt. Als Alternative, wenn man die Maserung von Ästen im Holz nicht so gerne hat, bietet sich Weißtanne an, diese ist sehr hell und weist so gut wie keine Astelemente auf. Ebenfalls unsere Innentüren sind passend zum Boden, aus Holz, mit Eiche furniert und naturgeölt. Bei den Fenstern haben wir uns für die Holz-Alu Variante entschieden, wobei im Terrassenbereich eigentlich auch außen Holz in Frage gekommen wäre. Aber im Nachhinein ist man wohl immer etwas klüger und man würde einzelne Bereiche anders gestalten.

Stroh für die Dämmung und in Form von Strohbauplatten als Beplankung der Innenwände

Gedämmt haben wir mit Einblasstroh, das besteht zu 100% aus Weizenstroh, ist unbehandelt, also ohne chemische Zusätze oder Brandhemmer und einfach so wie es natürlich am Feld wächst. Klar, es wird getrocknet und gereinigt, aber das war es auch schon. Ihr kennt vielleicht die Technik des Strohballenbaus, damit haben wir uns anfangs auch beschäftigt, kam jedoch für uns nicht in Frage, da wir nicht die nötigen Ressourcen wie etwa eine Halle für die Lagerung und den Aufbau zur Verfügung gehabt hätten. Aber ansonsten ist der Strohballenbau ebenfalls eine super Technik, um ein Haus zu bauen. Das Einblasstroh ist auf jeden Fall auch für die breite Masse geeignet, da man es mit so ziemlich jeder handelsüblichen Einblasmaschine in die Wandaufbauten einbringen kann. Und genau darum geht es, meiner Meinung nach, beim ökologischen Bauen, es sollen viele Menschen erreicht werden, nicht nur eine kleine Randgruppe. Was ich persönlich am Stroh so toll finde ist, dass es im Grunde genommen ein Abfall Produkt ist, das nach der Ernte keinen Zweck mehr erfüllt. Es hat keine Nährstoffe und kann nicht zur Fütterung von Tieren verwendet werden und dient lediglich als Einstreu für den Pferdestall, aber so viele Ställe gibt es wohl nicht, wenn man bedenkt wie viel Weizen geerntet wird.

Im Innenraum haben wir anstelle von Gipsbauplatten zu einem großen Teil auf Strohbauplatten zurück gegriffen, diese sind etwas dicker als Gipskartonplatten, bestehen aus gepressten Stroh und sind mit Karton umhüllt. Ein weiterer Vorteil über die Natürlichkeit der Platten hinaus, diese haben sehr gute Schallschutzeigenschaften, wir haben zum Beispiel die Innenwände nicht extra gedämmt – kein Problem. Die Platten lassen sich sehr leicht verarbeiten, wir haben diese alle selbst an die Wände gebracht.

Ton und Lehm für ein gesundes und reguliertes Wohnraumklima

Im Schlafzimmer haben wir keine Strohbauplatten, sondern Tonbauplatten gewählt. Ebenfalls haben wir das ganze Haus mit Ton verputzt und verspachtelt, wieder in Eigenleistung. Das war anfangs sehr frustrierend, aber sobald man den Dreh raushat funktioniert auch das super und unsere Wände sehen würde ich sagen ganz „normal“ aus.

Zum Ton, wir haben uns für Ton entschieden, weil dieser gleich bei uns ums Eck produziert wird. Aber Lehm ist genauso ein tolles Produkt, wir werden zum Ausprobieren in unserer Workbox noch eine Highlight Wand mit Lehm verputzen, die dann optisch etwas herausstechen darf. Aber was macht Ton oder Lehm so besonders? Wieder handelt es sich um natürlich abgebaute Produkte mit einer ziemlichen coolen Eigenschaft. Die Materialien können nämlich Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Darüber hinaus werden Schadstoffe aus der Luft gefiltert und diese wird dann in gefilterter Form wieder abgegeben. Was das mit der Feuchtigkeit auf sich hat, so kann man sich an einer regulierten Raumluft erfreuen, vor allem im Winter wo man oft mit zu trockener Luft zu kämpfen hat, sind Ton oder Lehm super Produkte. Wir merken es vor allem im Badezimmer, da der Spiegel auch nach einem heißen Bad nicht anläuft. Im Bad haben wir übrigens nur im Nassbereich Fliesen verwendet, ansonsten ebenfalls mit Ton verputzt und verspachtelt. Bei den Fliesen haben wir Hygiene Fliesen verbaut. Die ebenfalls Schadstoffe und das Entstehen von Schimmel minimieren.

Zurück zum Ton, bei der Luftfeuchtigkeit liegen wir immer bei Werten mit ca. 50-60%, im vergangenen Winter, in unserer letzten Wohnung hatten wir nie solche Werte, nur mit Dauerbetrieb eines Luftbefeuchters.

Im Schlafzimmer haben wir uns zusätzlich für die Tonbauplatten entschieden, da man über die Nachthinweg viel Flüssigkeit ausscheidet und sich Schadstoffe sammeln, vor allem schlafen auch unsere zwei Hunde bei uns im Schlafzimmer, da gibt es schon Einiges zu filtern.  

Ebenfalls bei der Farbe haben wir mit Tonfarbe ausgemalt. Die Materialien werden alle im trockenen Pulverzustand einfach mit Wasser vermengt und es kann einfach so viel angerührt werden, wie man dann auch benötigt. Was die Oberfläche und Farbigkeit betrifft, so kann ziemlich jeder Wunsch erfüllt werden. Wir haben uns für klassisches Cremeweiß entschieden, aber vielleicht kommt bald noch etwas Farbe in unser Schlafzimmer.

Bildquelle: www.place-to-be.at

Unser Heizsystem: Ein Kachelofen in Retro Optik

Wir heizen einzig und allein mit einem zentral platzierten Grundofen, der muss jeden Tag mit Holz gefüttert werden und hält uns schön warm. Das funktioniert recht gut, das kann ich mittlerweile aus Erfahrung sagen. Diese Art des Heizens kann man eigentlich als CO2 neutral bezeichnen, da das Holz während der Wachstumsphase CO2 bindet und beim Verbrennen wieder abgibt. Was die Schadstoffe betrifft, so sind diese sehr gering, wenn man ordnungsgemäß heizt. Wir müssen beispielsweise einmal in 12 Stunden heizen, wenn überhaupt. Es wird also nicht ständig das Türchen geöffnet, um Holz nachzulegen, denn so entstehen Rauch und Gase, die dann auch in den Wohnraum austreten.

Für die Zukunft haben wir eine Leerverrohrung in den Fußbodenaufbau verlegen lassen, da wir in einigen Jahren gerne eine Photovoltaik nachrüsten würden. Mit der Sonnenenergie kann dann gut geheizt werden.

Der Fußbodenaufbau

Weil ich zuvor bei der Fußbodenheizung angelangt bin, noch ein kurzer Input zum Aufbau des Fußbodens. Anfangs wollten wir diesen im Trockenbau machen, da wir letztlich doch eine Fußbodenheizung angedacht haben, haben wir einen Estrich benötigt. Das ist ökologisch nicht so top, eine Alternative wäre Stampflehm, diese Variante ist jedoch enorm teuer und wäre bei uns so einfach nicht mehr im Budget gewesen und durch das Stampfen muss man Fachleute vor Ort haben, ansonsten könnten die Rohre beschädigt werden.

Beim Aufbau jedoch sind erdölbasierte Produkte wie Polystyrol keine Option gewesen, anstelle dessen haben wir mit Holzweichfaserplatten gearbeitet.

Unser Wohnraum, ein Mix aus DIY und Ökomöbeln

Um schön langsam doch zu einem Ende zu kommen, obwohl ich noch lange weiter erzählen könnte, hier noch kurz ein paar abschließende Worte zur Inneneinrichtung.

Die Fronten unserer Küche sind zum Beispiel aus recycelten PET Flaschen, unseren Esstisch haben wir selbst aus Linoleum gebastelt, Linoleum ist übrigens ein super Naturprodukt und bald wird es die genaue Anleitung auch auf unserem Blog zum Nachlesen geben. Unsere Couch haben wir gebraucht gekauft, ich habe genau das Modell gefunden, welches wir wollten, also einfach ein bisschen Zeit lassen und ihr findet bestimmt wonach ihr sucht, diese Erfahrung haben wir schon des Öfteren gemacht. Unsere Badewanne und Waschbecken aus Emaille sind ebenfalls gebraucht, das Waschbecken war sogar noch original verpackt und beide sind aus gleicher Serie. Also: Wer suchet, der findet. Unser Teppich ist von einer Öko-Marke und so weiter und so fort. Ich würde unseren Wohnraum als bunten Mix aus Second Hand Möbeln, DIY Ambitionen und Produkten von Firmen die ihren Fokus auf nachhaltige Produktion und ökologische Produkte gelegt haben. Ein Bereich, den ich vielleicht noch kurz aufgreifen möchte, ist meine Vorliebe für Kartonmöbel, diese finden sich als Regalsystem in unserem Schlafzimmer, ein paar Boxen sind in unserem Schrankraum und sogar unser Bett ist aus Karton. Ich finde die Idee dahinter einfach total spitze und habe einige der Teile schon richtig lange, die halten sehr viel aus und sehen super aus.

Ein Haus ist ja nie so richtig fertig, sagt man zumindest so schön. Wir sind nach wie vor am Basteln, probieren verschiedene Baustoffe aus und wollen über unser Haus hinaus weiter über alternative Baustoffe und Möglichkeiten berichten. Falls ihr Lust auf ein wenig Öko-Hausbau habt, besucht uns doch gerne auf unserem Blog oder Instagram Profil:

www.place-to-be.at
https://www.instagram.com/ourplacetobe/

Bildquelle: www.place-to-be.at

Bildquelle: www.place-to-be.at

2 Comments

  1. Rene
    11. März 2020 at 16:50 · Antworten

    Toller Beitrag und ein unfassbar schönes Haus habt ihr da, zeigt das nachhaltig nicht bedeutet, dass man Abstriche machen muss. Ich finde es bewundernswert mit welchem Elan ihr dieses Projekt kontinuierlich verwirklicht. Weiter so & Grüße

  2. Helena
    2. Juni 2020 at 9:18 · Antworten

    Wir planen auch ein nachhaltiges Haus aus Öko-Baustoffen zu bauen. Ich plane anstelle Gipsbauplatten, die Strohbauplatten komplett, denn sie seien dicker und haben gute Schallschutzeigenschaften und Wärmedämmung. Danke für eure Erfahrung und Bilder vom Haus!

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